3.1  Stichprobe

Um repräsentative Aussagen zur motorischen Leistungsfähigkeit sächsischer Kinder im Altervon vier bis sechs Jahren treffen zu können, wurde eine Zufallsstichprobe von Kindertagesstättenaus allen Regionendes Freistaates Sachsen gezogen. Beachtung bei der geschichtetenZufallsauswahl der Kindertagesstätten fanden, auf Basis von Dokumenten des StatistischenLandesamtes Sachsen (2007), die Variablen ‚Regierungsbezirk’ und ‚Gemeindegröße’.Somit lassen sich Aussagen zur körperlichen Fitness Vier- bis Sechsjähriger aller städtischenund ländlichen Regionen Sachsens treffen. Die Stichprobenziehung erfolgte dabei insechs Schritten: (1) Einordnung aller sächsischen Gemeinden in die Gemeindegröße-Skala
(BIK-8), (2) Zuordnung aller sächsischen Gemeinden zu den Regierungsbezirken (Dresden,
Leipzig, Chemnitz), (3) Prozentuale Zuweisung der Zahl zu untersuchender Kitas in den Regierungsbezirken entsprechend der Einwohnerzahl im jeweiligen Regierungsbezirk, (4) Prozentuale
Zuweisung der Zahl zu untersuchender Kitas zu den Gemeindegrößenklassen in den einzelnen Regierungsbezirken, (5) Zufällige Auswahl der Gemeinden aus den acht Gemeindegrößenklassen
in den einzelnen Regierungsbezirken, (6) Zufällige Auswahl der Kitas in den zufällig ausgewählten Gemeinden.
Die Repräsentativität der Stichprobe gewährleistend, wurden von Oktober 2007 bis Februar
2008 insgesamt 1.338 vier- bis sechsjährige Jungen und Mädchen aus 50 sächsischen Kindertagesstätten
von zwei geschulten Teams der Universitäten Leipzig und Chemnitz bzgl. ihrer körperlichen Fitness mittels eines standardisierten Motorik-Tests untersucht.

3.2 Forschungsdesign

Für die Erhebung repräsentativer Daten zur motorischen Leistungsfähigkeit von vier- bis
sechsjährigen Kindern im gesamten Freistaat Sachsen wurde folgendes Forschungsdesign
entwickelt:

mokis_studie_6

Abb. 3: Überblick zum Forschungsdesign der MoKiS-Studie

3.3 Messinstrument

Die Auswahl des Messinstrumentes bzw. die Zusammenstellung der Testübungen gründet
auf der oben beschriebenen Klassifizierung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie
auf Überlegungen zur Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit den Daten der bundesweiten
KiGGS-Studie (RKI 2008).
Der in der sächsischen Studie verwendete Motorik-Test setzt sich demzufolge aus dem
Karsruher Motorik Screening (KMS 3-6; Bappert & Bös 2007), zwei Testübungen aus der
Leipziger Untersuchung (Jahn & Senf 2006) sowie einem visuo-motorischen Test aus dem
Frostig Entwicklungs-Wahrnehmungstest (FEW, Frostig 1996) zusammen. Darüber hinaus wurden die Variablen Körpergröße und Körpergewicht sowie das Geburtsdatum erfasst. Mit
dem folgenden Auszug aus dem Test-Manual werden die einzelnen Testübungen und die
damit zu messenden motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten kurz vorgestellt:

mokis_studie_7_1 Testübung 1: visuo-motorische Aufgabe

Das Kind soll bei dieser Malaufgabe eine Linie zwischen zwei Figuren
(z. B. Maus und Keks) ziehen, ohne die Begrenzungslinien zu berühren.
Der Test besteht aus fünf Teilaufgaben mit steigender Schwierigkeit.
Bewertet wird die Leistung dieses Auge-Hand-Koordinationstests entsprechend der Richtlinien des Originaltests.

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mokis_studie_7_2 Testübung 2: Einbeinstand

Das Kind soll mit offenen Augen eine Minute auf einem beliebigen
Bein auf der Schiene die Balance halten. Das Spielbein darf den Boden
nicht berühren. Gezählt wird die Anzahl der Bodenkontakte des
Spielbeins. Die Übung misst die Gleichgewichtsfähigkeit des Kindes.

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mokis_studie_7_3 Testübung 3: Standweitsprung

Das Kind soll aus dem Stand beidbeinig so weit wie möglich nach vorn springen. Gemessen wird der Abstand zwischen der Vorderkante der Absprunglinie und der Ferse des hinteren Fußes. Die Weite zweier Versuche wird in Zentimetern gemessen. Die Testübung erfasst die Sprungkraft des Kindes sowie die Fähigkeit zur optimalen Kopplung von Teilbewegungen.

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mokis_studie_7_4Testübung 4: Seitliches Hin- und Herspringen

Das Kind soll mit beiden Beinen gleichzeitig so schnell wie möglich innerhalb
von 15 Sekunden seitlich von einer Seite zur anderen über
den Mittelbalken eines Holzbretts springen. Es werden die Sprünge
aus zwei Versuchen gezählt. Die Testübung erhebt Sprungkraft und
Rhythmisierungsfähigkeit des Kindes.

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mokis_studie_7_5Testübung 5: Rumpfbeugen (stand & reach)

Das Kind soll sich mit gestreckten Knien so weit wie möglich nach vorn
beugen. Gemessen wird der Abstand zwischen Fingerspitzen und Podestoberkante
(Standfläche) in Zentimetern. Die Testübung erfasst die
Beweglichkeit des Kindes.

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mokis_studie_7_6Testübung 6: Hampelmann

Das Kind wird aufgefordert so viele Hampelmannsprünge wie möglich
auszuführen. Die Anzahl der anforderungsgerecht ausgeführten
Sprünge innerhalb von 10 Sekunden wird gezählt. Die Testübung
misst die Fertigkeit Hampelmannsprung sowie Kopplungs- und
Rhythmisierungsfähigkeit.

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mokis_studie_7_7Testübung 7: Ballwürfe

Das Kind soll in drei unterschiedlich schweren Aufgaben nach Vorgaben
einen Ball werfen und fangen. (1) Ball hochwerfen und fangen, (2)
Ball an die Wand werfen und fangen, (3) Ball an die Wand werfen und
ihn nach Bodenkontakt wieder fangen. Es wird jeweils die Zahl der gültigen
Versuche in den drei Teilübungen (3 x 3 Versuche) notiert. Erfasst
werden damit die Fertigkeiten werfen und fangen sowie die Differenzierungs- und Reaktionsfähigkeit des Kindes.

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3.4 Durchführung der Datenerhebung

Infolge der Stichprobenziehung wurden die zufällig ausgewählten Kindertagesstätten angeschrieben
und um Teilnahme am Forschungsprojekt gebeten. 14 Tage nach Versendung des
Anschreibens erfolgte eine telefonische Kontaktaufnahme zur Klärung der Teilnahme sowie
zur Absprache eines Termins zur Durchführung des Motorik-Tests. Mittels Elternbrief wurden
die Erziehungsberechtigten aller Vier- bis Sechsjährigen der Kita über die MoKiS-Studie informiert
und gebeten, ihre Kinder am Motorik-Test teilnehmen zu lassen. In den meisten Kindertagesstätten
erfolgte die Durchführung des als lustig-bewegte „Kindersportstunde“ aufbereiteten
Motorik-Tests im Zeitraum von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr. Je zwei bis drei Kinder pro
Testleiter absolvierten nach einer Erwärmung die einzelnen Übungsstationen in ca. 30 bis 35
Minuten. Als Räumlichkeiten standen den Testleiter-Teams in der Regel Sport- und Bewegungsräume,
aber auch Gruppenräume oder größere Flure bzw. Eingangsbereiche der Kindertagesstätten
zur Verfügung. Rückmeldungen des Kita-Personals bzgl. der Testdurchführung
sind als überaus interessiert und positiv einzuschätzen. Die Frage „Wann kommt ihr wieder?“ war der Kinder-Tenor in den meisten Kindertagesstätten, so dass man davon ausgehen
kann, dass der Motorik-Test von den Kindern nicht als Testsituation, sondern als
freudvolle Kindersportstunde erlebt wurde.
Was die datenschutzrechtlichen Bestimmungen betrifft, so wurden die motorischen Leistungen
der Kinder auf Testbogen erfasst und anschließend durch die Kita-Leiterinnen und -leiter
anonymisiert. Rückschlüsse auf einzelne Kinder oder Kindertagesstätten sind somit ausgeschlossen.
Vermerkt wurden lediglich Alter und Geschlecht sowie Regierungsbezirk und
Gemeindegröße, um Aussagen zum Bewegungsstatus sächsischer Vier- bis Sechsjähriger
anhand dieser Variablen differenzierter treffen zu können.