Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens war es, Aussagen zum Stand der motorischen
Leistungsfähigkeit Vier- bis Sechsjähriger in Sachsen zu treffen, Ansatzpunkte zur Optimierung
der Situation aufzuzeigen sowie Schwerpunkte für die geplante sachsenweite ErzieherInnen-
Fortbildung abzuleiten. Geht man von einem Zusammenhang körperlicher Aktivität,
körperlicher Leistungsfähigkeit und dem Gesundheitsstatus von Kindern aus (vgl. Abb. 1),
wie er in den letzten Jahren national wie international aufgezeigt wurde, so setzen die Entwicklungen
bezüglich dem Bewegungsstatus von Kindern Signale zum Handeln und zeigen
die Richtung notwendiger Interventionen eindeutig an: Bewegung, Spiel und Sport sind für
ein gesundes Aufwachsen essentiell. In ausreichendem Maße (mindestens 60 Minuten am
Tag) wirken sie Gesundheitsrisiken entgegen und erhöhen die Lebensqualität durch eine
stabile Gesundheit, nicht nur im Kindesalter, sondern lebenslang. Dabei prägen Eltern, als
erste Sozialisationsinstanz, mit ihren Einstellungen, ihrem Verhalten und ihrem persönlichen
Erfahrungsschatz den sport- und bewegungsbezogenen Lebensstil und damit auch das
Ausmaß an Bewegung, Spiel und Sport ihrer Kinder im Alltag maßgeblich (vgl. Jahn & Senf
2006). Gleichzeitig ist der Einfluss der Kindertagesstätten, als sekundäre Sozialisationsinstanzen,
in Bezug auf die Entwicklung der Motorik und des Bewegungsverhaltens von Kindern
als außerordentlich gewichtig einzuschätzen. Vergleichbar mit dem Setting Schule partizipieren
in Sachsen fast alle Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren am Angebot
dieser Einrichtungen. Den Kindertagesstätten kommt somit eine Schlüsselfunktion bezüglich
der motorischen Entwicklungsförderung, der Erhaltung des natürlichen und spielerischen
Bewegungsdrangs sowie den Transfereffekten auf die Gesundheit zu.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen sich zu folgenden handlungsrelevanten
Kernaussagen zusammenfassen:

(1) Die motorische Leistungsfähigkeit sächsischer Kindergartenkinder entspricht in Bezug
auf die Übungen Einbeinstand, Seitliches Hin- und Herspringen, Rumpfbeugen und
Standweitsprung (die Gleichgewichtsfähigkeit mit Einschränkungen) den deutschlandweiten
Ergebnissen zum Bewegungsstatus.

(2) Dabei ist eine hohe Heterogenität der motorischen Leistungsfähigkeit sächsischer Vorschulkinder
zu konstatieren. So gibt es zunehmend häufiger Kinder mit außergewöhnlich
guten Ergebnissen und Kinder mit einem deutlich geringeren Niveau.

Für die im Anschluss geplante Fortbildung der Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten
ergeben sich daraus spezifische Schwerpunkte:

(1) Was die motorische Entwicklung und die Gesamtentwicklung im Kindesalter betrifft, so
verweisen Mediziner und Sportwissenschaftler auf Zeiträume, in denen bestimmte Fähigkeiten
und Fertigkeiten besonders gut entwickelt werden können. Die so genannte
sensible Phase für die Förderung von Koordination und Beweglichkeit findet sich dabei
im Alter zwischen vier- und sechs Jahren. Genau für diese Fähigkeiten wurden im
Rahmen der Studie Defizite aufgezeigt, die somit weniger als rückläufige Entwicklungstendenzen,
sondern vielmehr als Übungsdefizite zu erklären sind. Aufgrund der Bedeutsamkeit
für viele Alltagstätigkeiten sollte die Fortbildung die Bereiche Koordination
und Beweglichkeit in den Mittelpunkt stellen. Als besonders wichtig erscheint dabei die
Schulung der Gleichgewichtsfähigkeit von sächsischen Kindern. Denn mit zunehmendem
Alter weist der Vergleich mit der deutschlandweiten Stichprobe einen Negativtrend
auf, der auf mangelnde Übung und Förderung des Gleichgewichts zurückzuführen ist.

(2) Zwar wurde die Ausdauerfähigkeit in der durchgeführten Untersuchung nicht getestet,
doch sollte, als Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung und die Prävention von
Übergewicht und Adipositas, eine kind- und entwicklungsgemäße, abwechslungsreiche
und freudvolle Schulung der Ausdauer selbstverständlich sein. Für die Fortbildung ist
dafür ein Katalog geeigneter Körperübungen, Spielformen und Methoden erarbeitet
worden.

(3) Fertigkeiten, wie das Werfen und Fangen von Bällen, der Hampelmann oder das Seilspringen,
werden im Kindergartenalter normalerweise ganz nebenbei gelernt. Dabei
müssen Einzelbewegungen zu einer Gesamtbewegung zusammengesetzt und unter
möglicherweise verschiedenen körperlichen Voraussetzungen koordiniert werden.
Durch solche Bewegungsaktivitäten im Kinderalltag kommt es automatisch zu einer
Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten. Dieser Art von Fertigkeitsschulung sollte
im Rahmen der Fortbildung verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet werden.

(4) Während der Fortbildung sollte gleichfalls Wert auf eine Differenzierung der Bewegungsangebote
gelegt werden, um einerseits Über- bzw. Unterforderungen motorisch
schwächerer versus stärkerer Kinder zu vermeiden und andererseits die Freude an der
Bewegung zu erhalten, zu fördern und zu verstärken. Spiel- und Bewegungsangebote
sollten beispielhaft mit steigendem Schwierigkeitsgrad thematisiert werden.

(5) Vordergründiges Ziel der Fortbildung ist es, die Erzieherinnen und Erzieher für eine
verstärkte Integration von Bewegungsangeboten in den Kindergartenalltag zu sensibilisieren
und ihnen Anregungen für einen bewegungsorientierten Tagesablauf zu geben.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein zielgerichtetes Training, sondern um die Nutzung
aller sich täglich bietenden Bewegungsmöglichkeiten.